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Gaëlle Arquez

French mezzo-soprano Gaëlle Arquez is one of the rising stars of the opera world. After graduating from the Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris, the young mezzo-soprano made her debut at the Opéra Bastille in Michael Haneke’s 2013 version of Don Giovanni (Zerlina) under the direction of Philippe Jordan. Ever since she has been invited to sing in many of the most renowned opera houses in the world. Nominated “Révélation Lyrique” at the “Victoires de la Musique 2011”, Gaëlle Arquez is now an exclusive recording artist for Deutsche Grammophon with whom she released her highly anticipated debut recording “Ardente Flamme” in 2017.

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  • 18.07.2018 - Gaëlle Arquez: „Ich verspürte ein Feuer in mir“

  • Gaëlle Arquez ist nicht nur eine ausgezeichnete Opernsängerin, sondern überzeugt auf der Seebühne als Schauspielerin, Tänzerin und Taucherin. Mit ihrer Erscheinung und Stimme scheint ihr die Rolle der Carmen auf den Leib geschneidert zu sein.

    Heuer sind Sie wieder in der Rolle der Carmen auf der Seebühne zu sehen. Welchen Eindruck haben Sie vom Publikum?

    ARQUEZ Auch wenn es wie aus Kübeln regnet und der Wind spürbar über das Wasser pfeift, das Publikum rührt sich nicht von der Stelle. Als Sängerin verspüre ich nicht nur eine enge Verbindung zum Publikum, sondern werde durch die positive Energie angespornt. In Bregenz findet man als Künstlerin sehr treue Opernfreunde vor.

    „Carmen“ ist eine Oper, die nicht nur schauspielerische und stimmliche Fähigkeiten abverlangt. Welche Herausforderungen gabe es noch zu meistern?

    ARQUEZ Am See kann sich das Wetter schlagartig ändern, aber das gesamte Team ist in der Lage, mit solchen Situationen umzugehen. Durch die räumlichen Gegebenheiten habe ich keine direkte Möglichkeit, mit dem Dirigent zu kommunizieren. Die Akustik funktioniert nicht wie in einem Theater und erfordert eine differenzierte Herangehensweise. 

    Am Ende der Oper wird Carmen von Don José unter Wasser gedrückt, wie gestaltet sich die Umsetzung dieser Schlüsselszene?

    ARQUEZ Für die Unterwasserszene braucht man einen kühlen Kopf und den Mut, sich dieser Situation auszuliefern. Dieser dramatische Vorgang ist mein Lieblingsmoment. Bereits als Kind habe ich bei Tauchgängen mit meinen Eltern die Liebe zum Wasser entdeckt. Hinter der Rose an meinem Kleid befindet sich ein Mundstück und damit die Verbindung zur Pressluftflasche, die unter meinem ausgeklügelten Kostüm versteckt wird.

    Wie würden Sie den Charakter der temperamentvollen Carmen beschreiben?

    ARQUEZ Als emanzipierte Roma weiß sie nicht nur, was sie will, sondern setzt sich in einer Welt voller Armut, Kriminalität und Gewalt durch. Sie ist wie ein Soldat und vertraut keinem anderen Menschen. Auch das tragische Ende resultiert aus der Summe ihren eigenen Entscheidungen. 

    Können wir etwas von Carmen lernen?

    ARQUEZ Unterdrückung, Kinderhochzeiten und die mangelnde Umsetzung von Frauenrechten stehen auch heute noch in vielen Ländern auf der Tagesordnung. Carmen tut, was sie möchte, egal, was die anderen Menschen denken, und setzt ihren eigenen Willen durch. Sie dient als ein wichtiges Symbol, das wir auch heute noch brauchen.

    Sind Sie mit der Teamarbeit bei den Bregenzer Festspielen zufrieden?

    ARQUEZ Opernregisseur Kasper Holten weiß, was er tut und vertraut den Künstlern. Er gibt uns eine Richtung vor, aber lässt uns auch einen Spielraum für eigene Ideen und möchte unsere Visionen verstehen. In Bregenz sitzen wir alle in einem Boot, auch mit den Choreografen, Kostümbildnern und sonstigen Mitarbeitern. Die Zusammenarbeit ist sehr fruchtbar und man spürt die positive Energie.

     

    Wie sind Sie mit der Musikwelt in Berührung gekommen?

    ARQUEZ Meine Kindheit verbrachte ich an der Elfenbeinküste, weit weg von der Opernwelt. Damals bekam ich Klavierunterricht und konnte das erste Mal in die Musikwelt eintauchen. Später zogen wir nach Frankreich, als 15-Jährige hat mich die Popmusik in ihren Bann gezogen. Als Jugendliche sang ich lieber die Songs von Mariah Carey und Whitney Houston.

    Wann wurden Sie entdeckt?

    ARQUEZ Die Lehrerin meiner Musikklasse entschied sich dafür, die Oper „Le nozze di Figaro“ von Mozart aufführen. Als 17-Jährige bekam ich die Rolle der Susanna, damlas war es eine große Herausforderung, ein Werk von fast dreieinhalb Stunden Länge einzustudieren. Damals entdeckte ich meine Liebe zur Oper, zu den Kostümen, dem Theater und der Bühne.

    Wie ging es dann weiter?

    ARQUEZ In meiner Heimatstadt gab es nicht viele Möglichkeiten, deshalb entschied ich mich für das Pariser Konservatorium und studierte Musik. Wie ein Schwamm konnte ich nicht nur Techniken, sondern die theoretischen Grundlagen aufsaugen. Aller Anfang ist schwer, am Beginn meiner Ausbildung waren meine Leistungen eher durchschnittlich, aber ich verspürte ein Feuer in mir und war nicht zu stoppen.

    Sie haben Ihr Stimmfach verändert, wie sind Sie damit umgegangen?

    ARQUEZ Ursprünglich habe ich mich auf meine Sopranstimme konzentriert und träumte von Rollen in Opern wie „La Traviata“ von Giuseppi Verdi oder „La Bohème“ von Giacomo Puccini. Später entdeckte ich Schritt für Schritt das Mezzo-Fach. Auf der einen Seite war es eine große Veränderung, aber auch ein bereichernder Neuanfang.

    Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

    ARQUEZ Die Rolle der Charlotte in der französischen Oper „Werther“ von Jules Massenet würde mich ansprechen. Nachdem ich bereits Erfahrungen mit dem Belcanto-Stil sammeln durfte, fühle ich mich bereit für die Werke von Gaetano Donizetti, die durch historische Charaktere geprägt sind. Ich sehe es als meine Aufgabe, Kinder und Jugendliche zu begeistern. Ohne die junge Generation wird die Oper früher oder später sterben.

    Vorarlberger Nachrichten

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